Die Bespielung des Palasts der Republik durch den VOLKSPALAST ist auf politischer Seite auf ein durchaus geteiltes Echo gestoßen. Die öffentliche Diskussion wurde laut und umfassend geführt, und ihr vorläufiges Ende ist der ebenso vorläufige Beschluss, den Abriss des Gebäudes zumindest auf September 2005, wenn nicht erst auf das Jahr 2006 zu verschieben.
Über 50.000 Besucher, riesiges Interesse nicht nur am Gebäude, sondern an der Idee eines Volkspalasts im Herzen der Stadt - eines spartenübergreifenden Kulturzentrums, das einen öffentlichen Raum konstruiert, der von Neugierde, Staunen und Austausch geprägt ist: Die Bevölkerung nimmt den VOLKSPALAST als Ort der Auseinandersetzung, des Nachdenkens, als Ort für Sport und Spaß, Tanz, Theater, Kongresse oder auch als Partyort problemlos an.
Für das VOLKSPALAST-Programm gab es eine Vorgabe, bestimmte Fragestellungen zu verhandeln. Die Vorgabe war der Raum und seine Erkundung mit unterschiedlichen Mitteln, für die wir Menschen aus verschiedenen Sparten angefragt haben: Regisseure, Choreographen, Architekten, Urbanisten, Sportler, die in und mit Leerständen arbeiten. Akteure, die sich seit langem mit Räumen, vor allem urbanen Leerräumen unter sehr verschiedenen Gesichtspunkten beschäftigen. Ziel war es, den politisch kontaminierten Palast der Republik zu entideologisieren, um neue Sichtweisen zu ermöglichen.
Doch obwohl der Palast der Republik vor allem bei schlechtem Wetter kaum mehr als den Charme einer Tiefgarage hat, hat sich bei der Bespielung gezeigt, dass man seiner Vergangenheit nicht entkommt. Die Geschichte der DDR, vor allem aber die Geschichte der Abwicklung der DDR, die Nachwendezeit, wird von jedem Besucher auf das Stahlgerippe projiziert – die persönlichen Wertungen eingeschlossen.
Der Palast der Republik war ein seltsames Gebäude. Errichtet als Symbol für die Potenz, Modernität und Aufgeschlossenheit des DDR-Sozialismus, dessen wichtigstes Repräsentationsgebäude er war - staatstragend. Gleichzeitig aber ein Gebäude, das funktioniert hat und tatsächlich und freiwillig so genutzt wurde, wie es geplant gewesen war. Ein offener Ort, Treffpunkt, Kommunikationszentrum. Ein Ort, der heute für die ehemaligen Bürger der DDR - bei aller Ambivalenz - mit vielen persönlichen Erinnerungen verknüpft ist.
Fortsetzung am 11.11.
Gruß,
Marcella
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