Fortsetzung vom 10.11.
Ausschlaggebend bei der Projektierung des VOLKSPALAST-Programms war die Überprüfung von Konzepten multifunktionaler Kulturhäuser und Mehrzweckhallen der 70iger Jahre und eine simulierte und improvisierte Überprüfung solcher Konzepte, die wir zu aktualisieren und ins 21. Jahrhundert zu transformieren versuchten. Der Kongress „Fun Palace“ zum Beispiel hinterfragte dies auf theoretischer Basis mit internationalen Architekten, Urbanisten und Theaterleuten.
Die Flutung des Palasts, die „Fassadenrepublik“, hat gezeigt, dass der Palast der Republik auch für einen solchen zukunftsgerichteten Diskurs hoch geeignet ist. Die Installation beschäftigte sich mit der Frage nach dem Zusammenhang von Inhalt und Form in Architektur und Stadtplanung. Gegenstand war u.a. die Beschäftigung mit der Disneylandisierung unserer Stadtbilder und die Frage, ob Architektur Inhalte, also Nutzungen als Basis haben sollte oder nur die gewünschte Form.
Ist es erlaubt, in eventähnliche Formate kritische Fragestellungen zu implantieren? Ist die Bespielung eines Gebäudes wie des Palasts der Republik nicht per se ein Event? Ist Spaß in Monumenten der Geschichte erlaubt? Was hat Geschichte mit Geschichten in den Medien zu tun? Ab welchem Grad haben Events eine politische Ebene?
Einer solchen theatralen Auseinandersetzung gab beispielsweise das Projekt „Singing! Immateriell Arbeiten“ von Ulrich Rasche Raum. Die inszenierte Konfrontation alter Arbeiterlieder und wissenschaftlicher Texte zum Thema Arbeit, stellte auch eine produktive Beziehung zu dem die Performance umgebenden Raum her.
Das Konzept war die Bestärkung theatraler und diskursiver Prozesse als Kommentatoren und Beobachter der öffentlichen Ereignisse, ein theatrales und räumliches Diskussionsforum von Wirklichkeit – nach den Regeln der Kunst und im Kontext eines Topos, der Ungewissheiten formuliert. Der Verlust von Gewissheit und geschlossenen utopischen Entwürfen zu Beginn des 21. Jahrhunderts ist eklatant. Die Antwort auf diesen Verlust sollte nicht darin bestehen, sich ins 19. Jahrhundert und dessen scheinbare Gewissheiten zurückzuziehen, sondern fragend einen Weg in die Zukunft zu beschreiten, im Bewusstsein und mit einer Offenheit für das Fragmentarische und das Ungewisse. Aus dem provisorischen Zustand des Gebäudes heraus sollte räumliche Zukunft spielerisch zu denken sein.
Mit dem VOLKSPALAST wurden experimentell neue Möglichkeiten für den Ort erkundet und damit ein gedankliches Vakuum gefüllt. Es wurden Ideen getestet und damit ganz bewusst Impulse für die Diskussion um die zukünftige Neugestaltung des Ortes gegeben.
Keine Frage, dass sich der Palast in seinem derzeitigen Zustand für eine längerfristige Bespielung nicht eignet. Aber muss man nicht – zu Beginn des 21. Jahrhunderts – über die Frage nachdenken: Was wollen wir im Zentrum einer Stadt? Was ist die Mitte? Was ist Identität in unserer Gesellschaft? - Und damit eine historisch einzigartige Chance ergreifen.
Gruß,
Marcella
|